Ein weiterer Dialog im Beginenhof
– nach einigen Wochen
Begine: „Du gehst anders als am Anfang.“
Frau: „Langsamer.“
Begine: „Und wacher.“
Frau: „Vielleicht müder. Aber nicht mehr so zerstreut.“
Begine: „Das ist oft dasselbe. Müdigkeit ohne Zerstreuung ist ehrlich.“
Frau: „Ich dachte, nach ein paar Wochen würde ich klarer wissen, ob ich bleiben will.“
Begine: „Und? Weißt du es?“
Frau: „Nein. Aber ich weiß besser, warum ich unsicher bin.“
Begine: „Das ist ein Fortschritt.“
Frau: „Ich merke, wie sehr ich gewohnt war, mich zu beweisen. Auch hier wollte ich es gut machen. Nützlich sein. Nicht auffallen.“
Begine: „Und? Ist es dir gelungen?“
Frau: „Nein. Ihr habt mich gesehen, wenn ich mich versteckt habe.“
Begine: „Wir haben dich gesehen, wenn du dich angestrengt hast, unsichtbar zu sein. Das kostet viel Kraft.“
Frau: „Ich war überrascht, dass niemand mich gelobt hat, wenn ich mehr getan habe. Und dass niemand geschimpft hat, wenn ich weniger konnte.“
Begine: „Lob und Tadel sind beides laute Stimmen. Wir versuchen, leiser zu sein und Leiseres zu hören.“
Frau: „Manchmal hat mich das verunsichert. Ich wusste nicht, wo ich stehe.“
Begine: „Vielleicht standest du zum ersten Mal nicht auf einer Skala.“
Frau: „Ich habe auch gemerkt, wie schwer mir das Gebet fällt. Ohne feste Worte. Ohne Anleitung.“
Begine: „Und trotzdem bist du geblieben.“
Frau: „Ja. Weil ich gemerkt habe, dass es nicht um schöne Gedanken geht. Eher um Wahrhaftigkeit. Auch wenn sie still ist.“
Begine: „Das ist beginisch genug.“
Frau: „Ich habe euch beobachtet. Ihr sprecht wenig über Gott. Aber ihr richtet euch oft neu aus.“
Begine: „Reden ist schneller als Ausrichten.“
Frau: „Manchmal frage ich mich, ob ich zu viel mitbringe. Zu viele alte Vorstellungen. Zu viele Erwartungen.“
Begine: „Du bringst mit, was du hast. Nichts davon ist ein Hindernis. Nur etwas, das gesehen werden will.“
Frau: „Und wenn ich bleibe – werde ich mich verändern müssen?“
Begine: „Du wirst dich verändern. Nicht müssen. Müssen erschöpft. Veränderung geschieht, wenn man nicht mehr ausweicht.“
Frau: „Ich habe auch Angst. Nicht mehr vor euch. Sondern vor mir.“
Begine: „Das ist ein gutes Zeichen. Wer sich selbst näherkommt, verliert die alten Sicherheiten.“
Frau: „Bleibt diese Unsicherheit?“
Begine: „Sie wandelt sich. Sie wird stiller. Weniger Frage, mehr Wachheit.“
Frau: „Und wenn ich gehe?“
Begine: „Dann gehst du mit etwas, das dich begleitet. Wir behalten dich nicht. Und wir verlieren dich nicht.“
Frau: „Ich glaube, ich möchte noch bleiben.“
Begine: „Dann bleib. Nicht, um fertig zu werden. Sondern um gegenwärtig zu sein.“
Frau: „Was soll ich heute tun?“
Begine: „Iss mit uns. Arbeite mit uns. Und hör dir zu, wenn du still wirst.“
Frau: „Das klingt wenig.“
Begine: „Es ist genug für einen Tag.“