2. Wahrheitsforschung
Die spirituellen Lehren und der Ansatz von Weg-Arbeit und Wahrheitsforschung sind komplex und auf den ersten Blick nicht leicht zu erfassen. Als wichtige Eckpunkte für den Einstieg könnte man die
Drei-Körper-Lehre, die Elemental-Lehre und die Lehre von der ätherischen Vitalität nennen. Die Drei-Körper-Lehre besagt, dass wir nicht nur einen grobstofflichen Körper haben, sondern dazu noch
zwei feinstofflichere Körper, über die wir mindestens so viel freie Herrschaft erlangen können wie über den physischen Leib. Diese Körper nennen wir den psychischen (emotionalen) Körper und den
noetischen (gedanklichen) Körper. Diese drei Körper sind die inkarnierten „Ausstülpungen“ eines höheren Selbstes, das diese Inkarnation auf sich nimmt, um in den „Welten der Trennung“ Erfahrungen
mit Polarität und Dualität zu sammeln, Individualität erst zu erreichen und dann zu transzendieren und schließlich in die göttliche Einheit zurückzukehren. Die Elemental-Lehre besagt, dass wir
beständig durch unsere Gefühle und Gedanken lebendige Formen schaffen, die uns selber und andere Menschen beeinflussen – und leider meistens schaden. Daraus leitet sich eine tiefe
Verantwortlichkeit für die Inhalte unserer Gefühle und Gedanken ab und gibt uns Hinweise und Übungen zur Disziplinierung derselben. Die Lehre von der ätherischen Vitalität (Lebenskraft) besagt,
dass wir durch den ungezügelten Umgang mit dieser Vitalität und unser Unwissen darüber, wie wir zusätzliche Lebenskraft aufnehmen können, schließlich an allen drei Körpern krank werden. Besonders
Zorn, Wut und Hass verbrennen ätherische Vitalität im Nu und die übrigbleibenden Reste verschwenden wir, indem wir zumeist abseitige und letztlich unbefriedigende Wunsch-Elementale aus ihr
schaffen.
Was ist der Mensch?
Die Menschen sind – wie die Erzengel – als Gottes Kinder geschaffen worden. Genauer gesagt sind die Menschen selber Erzengel und haben nur den zusätzlichen Status und die Aufgabe „Mensch“
angenommen. Erzengel sind Wesenheiten, die sich der beständigen Gegenwart Gottes erfreuen und gänzlich ihrer Aufgabe im göttlichen Plan dienen; sie sind sich allerdings nicht ihrer selbst bewusst
und haben auch kein Verständnis von Raum und Zeit. Das ändert sich nur bei jenen Erzengeln, die den Weg der Inkarnation, der stofflichen Verkörperung gehen und dabei menschliche Wesen werden –
und bei den Erzengeln, die erstere als Schutzerzengel begleiten. Wenn wir uns also für den Weg in die Welten der Gegensätze entscheiden, um dort Erfahrungen zu sammeln, Meister von Zeit und Raum
zu werden und Selbsterkenntnis zu erlangen, inkarnieren wir, indem wir drei Körper annehmen: Gedankenkörper, Gefühlskörper und grobstofflicher Körper. Normalerweise gehen Menschen immer davon
aus, dass sie einen grobstofflichen Körper hätten, in dem Gedanken und Gefühle quasi stattfinden. In Wirklichkeit können wir aber lernen, unsere Gedanken- und Gefühlskörper perfekt zu
beherrschen. Besser gesagt – wir müssen es sogar lernen, denn das ist, auf eine bestimmte Weise betrachtet, das Ziel unseres Weges in den Welten der Gegensätze.
Studienkreis
Zum vertieften theoretischen Einstieg in die Lehren der Weg-Arbeit und Wahrheitsforschung gehört das Erlernen von sanften Meditationstechniken, die häufig mit Visualisation verbunden sind.
Neulingen werden Methoden vermittelt, wie grobstofflicher Körper, Gefühlskörper und Gedankenkörper miteinander ins Gleichgewicht gebracht werden können. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Systems
der Wahrheitsforschung sind Innenschau und Selbstanalyse: Der Einzelne lernt, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und sein Fühlen, Denken, Reden und Tun richtig zu bewerten. Dabei gilt es,
bewusst die eigene Persönlichkeit und ihr Betragen zu untersuchen, Hintergedanken zu hinterfragen und Situationen im Lichte der Vernunft sowie nach den Ursachen hinter den Phänomenen zu erkunden.
Diese Arbeit verlangt vollkommene Aufrichtigkeit, die zu Anfang schwer aufzubringen ist, doch schließlich tiefe Freude und Befriedigung schenken kann, weil nicht nur unsere widerstrebende
Persönlichkeit neben uns steht, sondern auch unser wahres Selbst, das uns aufmuntert und Preise verteilt.
Die sieben Selbstgelöbnisse
Die sieben Selbstgelöbnisse (nach Daskalos) bilden eine stets gegenwärtige Verpflichtung zum göttlichen Plan. Sie lauten:
1. Ich gelobe mir selbst, immer und überall der Absoluten Seinsheit zu dienen, der ich aus ganzem Herzen zugehöre.
2. Ich gelobe mir selbst, immer und überall bereit zu sein, dem göttlichen Plan zu dienen.
3. Ich gelobe mir selbst, die göttlichen Gaben von Gedanken und Wort immer, überall und unter allen Umständen gut zu gebrauchen.
4. Ich gelobe mir selbst, mich geduldig und ohne Klage allen Formen von Prüfung und Drangsal zu fügen, die mir das göttliche Gesetz in seiner unendlichen Weisheit auferlegen mag.
5. Ich gelobe mir selbst, meine Mitmenschen zu lieben und ihnen zu dienen, aufrichtig und aus den Tiefen meines Herzens und meiner Seele, ganz gleich, wie sie sich mir gegenüber verhalten
mögen.
6. Ich gelobe mir selbst, mich täglich in die Absolute Seinsheit zu versenken und zu meditieren mit dem Ziel, meine Gedanken, Wünsche, Worte und Taten ganz auf den göttlichen Willen
einzustellen.
7. Ich gelobe mir selbst, jeden Abend zu untersuchen und zu prüfen, ob all meine Gedanken, Wünsche, Worte und Taten in absolutem Einklang mit dem göttlichen Gesetz sind.
Diese Gelöbnisse geben dem Schüler durch tägliche Meditation moralische Führung und helfen ihm, sich im Laufe der Zeit mehr und mehr auf die göttlichen Gesetze der Schöpfung einzustimmen.