Ein Dialog mit Shakern
Die Shakerin: „Du bist gekommen, ohne gerufen zu sein. Das ist gut. Wer gerufen wird, kommt zu spät.“
Der Novize: „Ich bin gekommen, weil ich Unruhe trage.“
Der Shaker: „Unruhe ist kein Grund zu bleiben. Viele lieben sie. Wenige lassen sie sterben.“
Die Shakerin: „Wir werden dich nicht beruhigen. Wir werden dich nicht bestätigen. Wenn du bleibst, wirst du weniger.“
Der Novize: „Weniger wovon?“
Der Shaker: „Von dir.“
(Stille.)
Die Shakerin: „Sag uns nicht, was du suchst. Sag uns, was du bereit bist zu verlieren.“
Der Novize: „Ich weiß es nicht.“
Der Shaker: „Das ist ehrlicher als die meisten Antworten.“
(Stille.)
Die Shakerin: „Hier lebt niemand für sich. Deine Gedanken sind nicht privat. Deine Zeit gehört dir nicht. Dein Körper gehört dir nicht.“
Der Novize: „Auch nicht meine Hoffnung?“
Der Shaker: „Vor allem nicht die.“
(Stille. Man hört Schritte draußen, regelmäßige Arbeit.)
Die Shakerin: „Wir glauben nicht, dass Gott dich retten will. Wir glauben, dass Gott dich verbrauchen will: für Wahrheit.“
Der Novize: „Und was bleibt dann?“
Der Shaker: „Das, was nie deins war.“
(Stille.)
Der Novize: „Warum lebt ihr ohne Paarung?“
Die Shakerin: „Weil wir nichts vermehren wollen, was noch gereinigt werden muss.“
Der Shaker: „Und weil Liebe ohne Besitz genauer sieht.“
(Stille.)
Die Shakerin: „Du wirst hier nicht wachsen. Du wirst klarer werden. Wachstum ist eine Vorstellung der Welt.“
Der Novize: „Und wenn ich gehe?“
Der Shaker: „Dann gehst du aufrecht. Das ist mehr, als viele von sich sagen können.“
(längere Stille.)
Die Shakerin: „Bleiben heißt: arbeiten, beichten, schweigen, tanzen, dienen. Immer wieder. Ohne Ziel.“
Der Novize: „Und wenn ich versage?“
Der Shaker: „Dann wirst du sichtbar. Das ist der Anfang.“
(Stille. Dann:)
Die Shakerin: „Wir nehmen dich nicht auf. Wir lassen dich da. Drei Tage. Du sprichst nur, wenn du gefragt wirst. Du arbeitest, wo man dich hinstellt.“
Der Shaker: „Danach wirst du wissen, ob du gehen musst.“
Der Novize: „Und ihr?“
Die Shakerin: „Wir werden wissen, ob du bleiben darfst: und ob wir dich ertragen.“