Ein Dialog mit Teresa
Gespräch über Feuer und Nacht
Teresa: „Johannes, du sprichst oft von der Nacht. Viele erschrecken, wenn sie dieses Wort hören. Sie meinen Verlust, Leere, Gottferne.“
Johannes: „Die Nacht ist nicht Abwesenheit. Sie ist das Licht, das zu hell geworden ist für die Sinne. Was der Mensch Dunkelheit nennt, ist oft nur das Ende seiner Vorstellungen.“
Teresa: „Dann sind wir uns nahe. Auch ich sehe, wie die Seele ihre Bilder verliert. Doch ich habe gelernt, den Menschen zuerst Mut zu machen. Nicht jeder hält die Nacht aus, wenn er sie zu früh
betritt.“
Johannes: „Darum unterscheide ich. Es gibt die Nacht der Sinne und die Nacht des Geistes. Die erste reinigt, die zweite verwandelt. Wer sie verwechselt, verzweifelt.“
Teresa: „Und wer sie herbeizwingen will, richtet Schaden an. Ich habe Schwestern gesehen, die glaubten, Stille erzwingen zu müssen – und sich dabei selbst verloren.“
Johannes: „Ja. Die Nacht kommt. Sie wird nicht gemacht. Wer sie sucht, sucht noch sich selbst.“
Teresa: „Ich habe versucht, Wege zu beschreiben – Wohnungen, Stufen, Übergänge. Nicht weil der Weg planbar wäre, sondern damit niemand meint, er sei verloren, nur weil sich alles
verändert.“
Johannes: „Deine Burg ist ein Schutz. Meine Nacht ist ein Loslassen. Beides dient demselben Ziel: dass nichts mehr zwischen Gott und Seele steht.“
Teresa: „Doch sag mir: Wenn alles genommen wird – Trost, Bilder, Sicherheit – was bleibt?“
Johannes: „Nichts, das man benennen könnte. Aber alles, was ist. Die Seele wird arm, damit sie reich wird – ohne es zu wissen.“
Teresa: „Darum prüfe ich die Früchte. Wird ein Mensch geduldiger? Wahrhaftiger? Liebender? Wenn nicht, war es nicht Gott, der gewirkt hat.“
Johannes: „Auch ich erkenne Gott nicht an der Süße, sondern an der Freiheit. Wo Freiheit wächst, war er am Werk.“
Teresa: „Viele fragen mich nach Vereinigung. Sie stellen sie sich vor wie einen Höhepunkt.“
Johannes: „Und übersehen, dass Vereinigung das Ende aller Höhepunkte ist. Dort gibt es kein Erleben mehr, das man besitzen könnte.“
Teresa: „Vielleicht darum brauchen manche mein Bild, andere deines. Die einen müssen lernen, sich zu ordnen. Die anderen, alles fahren zu lassen.“
Johannes: „Und beide müssen lernen, nichts zu fordern.“
Teresa: „Dann ist Mystik keine Flucht aus der Welt.“
Johannes: „Nein. Sie ist die Rückkehr in die Welt – ohne die alten Augen.“
Teresa: „So ergänzen wir uns. Du nimmst den Menschen die Stützen. Ich zeige ihnen, wie sie stehen können, bis sie nicht mehr stehen müssen.“
Johannes: „Und beide wissen wir: Am Ende bleibt nur Schweigen.“
Teresa: „Ein Schweigen, das spricht.“
Johannes: „Oder besser: das trägt.“