Ein Dialog mit Quäkern
Gespräch in der Stille
Der junge Mann saß unruhig auf der Holzbank. Das Schweigen machte ihn nervös. Nach einer Weile beugte er sich zur alten Frau neben ihm. „Ich weiß nicht, ob ich das richtig mache“, flüsterte er.
„Ich sitze hier, aber in mir ist nur Lärm.“
Die alte Quäkerin lächelte kaum merklich. Dann schwieg sie noch einen Moment, als prüfe sie, ob ein Wort wirklich nötig sei. Schließlich sagte sie leise: „Dann sitzt du genau richtig.“
Der junge Mann runzelte die Stirn. „Aber ich dachte, es geht darum, still zu werden.“
„Nein“, antwortete sie. „Es geht darum, ehrlich zu werden. Still wirst du später – oder auch nicht. Das ist nicht deine Aufgabe.“
„Was ist dann meine Aufgabe?“
„Zu bleiben“, sagte sie. „Nicht wegzugehen, wenn es laut wird. Nicht etwas zu erzwingen, das noch nicht da ist.“
Er überlegte. „Und wenn ich etwas sagen will? Manchmal kommt mir ein Gedanke wichtig vor.“
„Dann halte ihn eine Weile fest – ohne ihn auszusprechen“, erwiderte sie. „Wenn er wichtig ist, bleibt er. Wenn er gehen will, lass ihn gehen. Beides ist gut.“
„Woher weiß ich, ob es richtig ist zu sprechen?“
Sie sah ihn freundlich an. „Wenn du hoffst, gehört zu werden – sprich nicht. Wenn du fürchtest zu sprechen – warte noch. Wenn du weder Hoffnung noch Furcht spürst, sondern nur Klarheit – dann mag
es Zeit sein.“
Er nickte langsam. „Und Gott? Sollte ich nicht nach Gott suchen?“
Die alte Frau schüttelte sanft den Kopf. „Gott ist nicht verloren. Du musst nicht suchen. Du musst nur aufhören, dir selbst im Weg zu stehen.“
„Das klingt schwer.“
„Es ist schwer“, sagte sie ruhig. „Und einfach. Schwer für das Ich. Einfach für das Leben.“
Eine Pause entstand. Das Schweigen zwischen ihnen war nun weniger gespannt.
„Und wenn nichts geschieht?“ fragte der junge Mann schließlich.
Sie lächelte diesmal deutlicher. „Dann geschieht das Wichtigste. Du hörst auf, ständig etwas geschehen lassen zu wollen.“
Er atmete aus.
„Also soll ich nichts erreichen?“
„Wenn du etwas erreichst, nimm es dankbar an“, sagte sie. „Wenn nicht, nimm auch das dankbar an. Beides ist Unterricht.“
Dann wandte sie sich wieder der Stille zu. Der junge Mann tat es ihr nach – zum ersten Mal ohne Eile.