Gelöbnisse

 

Nun stehen die Selbstgelöbnisse nicht einzigartig da. Vielmehr gibt es eine Reihe von mehr oder weniger detaillierten Anleitungen/Verpflichtungen/Geboten, die Aspekte benennen, die andere auslassen oder weniger genau aufführen. Schnell fallen uns die fünf Silas oder die zehn Gebote ein. Wir wollen hier darüber hinaus einmal sammeln, was es noch an Selbstvorgaben gibt.

 

Es ist gewiss nützlich, wenn wir uns mit den Texten auseinandersetzen und mir scheint es dazu sinnvoll, wenn wir einen eigenen (zeitweisen?) Lieblingstext aussuchen und zur Basis unserer AP-Betrachtung und -Modifikation machen (Dabei könnten wir durchaus auch Teile weglassen, die uns unverständlich/unnütz sind).

 

Auswendiglernen ist dafür eine tolle Sache. Dann ist das "(Selbst-)Gelöbnis" uns im Alltag verfügbar und kann sogar durch inneres Zitieren spirituelle Zeitfreiräume schaffen, die uns zu Abstand verhelfen, wo wir ihn sonst vielleicht nicht haben.

 

Wir werden uns im Studienkreis eingehend mit den Texten beschäftigen. Trotzdem ist eine schriftliche Diskussion via allgemeine Kommentare oder per Mail an mich durchaus wünschenswert. Die Texte kommen dann ergänzend zu den Vorlagen.

 

Wir beginnen hier mit den Selbstgelöbnissen der Wahrheitsforscher nach Daskalos. Weitere Texte finden sich in den Unterpunkten dieser Seite. Und wenn jemand andere Beispiele findet und mir mit Quellenangabe zukommen lässt, dann nehmen wir sie auch auf.

 

Ich gelobe mir selbst:

1. Immer und überall der Absoluten Seinsheit zu dienen, der ich aus ganzem Herzen zugehöre.

2. Immer und überall bereit zu sein, dem göttlichen Plan zu dienen.

3. Die göttlichen Gaben von Gedanken und Wort immer, überall und unter allen Umständen gut zu gebrauchen.

4. Mich geduldig und ohne Klage allen Formen von Prüfung und Drangsal zu fügen, die mir das göttliche Gesetz in seiner unendlichen Weisheit auferlegen mag.

5. Meine Mitmenschen zu lieben und ihnen zu dienen, aufrichtig und aus den Tiefen meines Herzens und meiner Seele, ganz gleich, wie sie sich mir gegenüber verhalten mögen.

6. Mich täglich in die Absolute Seinsheit zu versenken und zu meditieren mit dem Ziel, meine Gedanken, Wünsche, Worte und Taten ganz auf den göttlichen Willen einzustellen.

7. Jeden Abend zu untersuchen und zu prüfen, ob all meine Gedanken, Wünsche, Worte und Taten in absolutem Einklang mit dem göttlichen Gesetz sind.

 

 

Die zehn Gebote

 

Hier in der Version der Evangelischen Kirche in Deutschland nach Luther:

 

Das erste Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

 

 

Die Silas

 

Die Silas sind die buddhistischen Tugendregeln, deren Annahme (unter anderem) für den formalen Eintritt in die Gemeinschaft der buddhistischen Gläubigen notwendig sind. Die formale Annahme der in dem Fall fünf Tugendregeln erfolgt durch die verbale oder zumindest geistige Wiederholung der einzelnen Regeln.

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens Leben zu nehmen an.

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens vom Stehlen (nehmen was nicht gegeben ist) an.

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens von sexuellem Fehlverhalten an.


- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens vom Lügen (Unwahrheit Sprechen) an.

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens von der Einnahme berauschender Mittel, die zur Gewissenlosigkeit führen, an.

Diese einfachen Regeln sind für jede Person unabhängig von ihrem Alter in ihrem Wahrnehmungsbereich anwendbar und natürlich von der Bewusstseinsentwicklung des Einzelnen abhängig. Auch wenn es dazu zahlreiche Kommentare und Auslegungen gibt, bleiben sie so einfach und anspruchsvoll wie sie sind.


Acht Silas

Die acht Tugendregeln werden von vertrauensvollen Laienanhängern an den wöchentlichen buddhistischen Uposatha-Fastentagen eingehalten. An diesen Tagen versammelt sich die Laiengemeinschaft in den Klöstern oder Viharas, um Zuflucht und eine Erneuerung der Tugendregeln zu erbitten. Dort wo diese mondphasenabhängigen Einhaltunstage gepflegt werden, treffen sich die Laienanhänger schon am Vorabend und verbringen die Nacht mit Dhammagesprächen oder Meditation sowie den Vorbereitungen und Arbeiten in den Klöstern zur Unterstützung der Mönchs- oder Nonnengemeinschaft. Menschen, die sich einem meditativen Leben widmen und deren Lebensweise entsprechend ist, oder Personen, die sich einer Meditationsklausur unterziehen, nehmen diese Regeln als stete Begleitung in ihrem Alltag auf sich.

Sie ergänzen die fünf Silas um drei weitere Regeln:

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens von Essen zu verbotener Zeit an.

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens von Tanzen, Singen, Musik, Unterhaltungsveranstaltung zu besuchen, tragen von Schmuck, Gebrauch von Duftstoffen, und Verschönerung des Körpers mit Kosmetik, an.


- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens vom liegen auf hohen und üppigen Liegen an.

Im Zuge einer Meditationsklausur wird die Übungsregel des Abstehens von sexuellem Fehlverhalten auf ein zölibatäres Leben ausgeweitet bzw. ausgetauscht

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens von sexuellen Handlungen an.


Zehn Silas

Ähnlichen Inhalt haben auch die zehn Tugendregeln für Novizen. Sie ergänzen die acht Tugendregeln (die siebte Regel wird in zwei Regeln getrennt) um eine weitere:

- Ich nehme die Übungsregel des Abstehens Gold und Zahlungsmittel anzunehmen an.

 

(eng an Wikipdia angelehnt)

 

 

Grundlage

 

Tsongkhapa (1357-1419) - Die Grundlage für gute Eigenschaften:

(1) In gesunder Weise auf einen gütigen, spirituellen Meister zu vertrauen, ist die Grundlage aller guten Eigenschaften, ist die Wurzel des Pfades. Dies richtig erkennend, erbitte ich die Inspiration dafür, mich mit großer Wertschätzung und viel Bemühung auf ihn zu verlassen.

(2) Diese vorzügliche Arbeitsgrundlage mit ihren Ruhepausen, nun einmal gefunden, ist schwierig zu erlangen. Ihre enorme Bedeutung erkennend, erbitte ich die Inspiration, um ohne Unterbrechung Tag und Nacht, mit allen Mitteln eine Geisteshaltung zu entwickeln, um ihre Essenz in mir aufzunehmen.

(3) Im Sterben werden mein Körper und meine Lebenskraft schnell vergehen, wie Luftblasen auf einem fließenden Strom. Wenn ich mich daran erinnere und die absolute Gewissheit erlangt habe, dass mir nach dem Tod die Früchte meiner heilsamen und unheilsamen Handlungen nachfolgen werden,

(4) gleich dem Schatten der dem Körper folgt, erbitte ich die Inspiration, stets Sorge dafür zu tragen, dass ich mich sogar von den geringsten und unbedeutendsten Handlungen lossagen kann, die ein Netzwerk aus Fehlern aufbauen würden und dass ich all jene Taten zu Ende führen kann, die ein Netzwerk konstruktiver Kraft aufbauen werden.

(5) Der Glanz einer zwanghaften Existenz, auch wenn er genossen wird, reicht nie aus. Die Tore zu allen Problemen vermögen meinen Geist nicht zu sichern. Dieser Fallgruben gewahr, erbitte ich die Inspiration dafür, dass ich ein großes, lebendiges Interesse an der Glückseligkeit der Befreiung entwickeln möge.

(6) Ich erbitte die Inspiration dafür, dass ich mir mit Vergegenwärtigung, Wachsamkeit und großer Sorgfalt, die Praktiken für das Erlangen der individuellen Befreiung, das Fundament der Lehre, zu Herzen zu nehmen; das möchte ich durch diesen reinen, motivierenden Gedanken herbeiführen.

(7) So wie ich selbst in den Ozean zwanghafter Existenz gefallen bin, so auch alle anderen wandernden Wesen - sie waren alle meine Mütter. Dies erkennend, erbitte ich die Inspiration dafür, dass mein Bodhichitta-Herz bis hin zur höchst möglichen Bodhichitta-Ausrichtung anwachsen möge, damit ich die Verantwortung dafür übernehmen kann, diese wandernden Wesen zu befreien.

(8) Auch wenn ich einen solchen Entschluss entwickelt hätte, so würde ich nicht in der Lage sein, einen höchsten gereinigten Zustand zu erlangen, wenn ich mich nicht mit den drei Arten ethischer Selbstdisziplin vertraut machen würde. Dies richtig erkennend, erbitte ich die Inspiration dafür, dass ich mich um die Einhaltung der Bodhisattva-Gelübde intensiv bemühen werde.

(9) Ich erbitte die Inspiration dafür, in meinem Geistesstrom schnell einen Pfad zu entwickeln, der das Paar kombiniert: Einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand und einen außergewöhnlich wahrnehmenden Geist, und zwar indem ich mein geistiges Abwandern zur Ruhe bringe, das ich gegenüber den Zerrbildern von Objekten hege; und indem ich in richtiger Weise die korrekte Bedeutung der Leerheit erkenne.

(10) Habe ich mich in den allgemeinen Pfaden geübt und bin ein geeignetes Gefäß geworden, erbitte ich die Inspiration dafür, dass ich schnell in das diamant-gleiche Fahrzeug, das höchste aller Fahrzeuge, eintreten möge, die heilige Furt für diejenigen, die mit großem Glück gesegnet sind.

(11) Habe ich dann unzweifelhafte Sicherheit erlangt in Bezug darauf, das gesagt wurde, dass die Grundlage zum Verwirklichen der zwei Arten verwirklichter Errungenschaften, also die eng bindenden Praktiken und die versprochenen Zurückhaltungen, vollkommen rein zu halten sind, erbitte ich die Inspiration dafür, diese Praktiken aufrecht zu erhalten, und sei es auf Kosten meines Lebens.

(12) Die essentiellen Punkte der zwei Stufen sodann korrekt verstehend, die die Essenz der Tantra-Klassen sind, erbitte ich die Inspiration dafür, diese in Übereinstimmung mit der erleuchtenden Rede der Heiligen zu verwirklichen und niemals vom Einhalten der vier täglichen Yoga-Sitzungen abzuweichen.

(13) Ich erbitte die Inspiration dafür, dass die spirituellen Mentoren mich auf so exzellente Pfade wie diesen hinweisen mögen, und ich erbitte die Inspiration dafür, dass meine Freunde sich nicht von ihrer richtig ausgeführten Praxis abbringen lassen mögen. Und ich erbitte die Inspiration dafür, dass die äußerer und innerer Störungen, zur Ruhe gebracht werden mögen.

(14) Möge ich niemals in all meinen Leben von vollkommenen Gurus getrennt sein; möge ich vom allumfassenden perfekten Dharma guten Gebrauch machen, und möge ich, indem ich alle guten Eigenschaften der Stufen und Pfade verwirkliche, schnell den höchsten Zustand eines Vajradhara erlangen.

("Yon-tan gzhi-gyur-ma" von Tsongkhapa (Tsong-kha-pa Blo-bzang grags-pa). Übersetzt ins Englische von Alexander Berzin. Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn.)

 

 

Ein Juwelenkranz

 

Atisha (980-1054) - Ein Juwelenkranz des Bodhisattvas:
 
Ich verbeuge mich vor dem Großen Mitgefühl. Ich verbeuge mich vor den Höchsten Lehrern. Ich verbeuge mich vor den Buddha-Formen, vor all jenen, die des Vertrauens würdig sind.

(1) Ich will all meinen unentschlossenen Wankelmut aufgeben und es schätzen lernen, von ganzem Herzen mit Ernsthaftigkeit zu praktizieren. Daher werde ich mich vollständig von Schläfrigkeit, Dumpfheit und Faulheit befreien, und mich stets mit freudiger Tatkraft bemühen.

(2) Ich will die Pforten meiner Sinne zu jeder Zeit mit Vergegenwärtigung, Wachsamkeit und Sorgsamkeit hüten. Daher werde ich wiederholt den Fluss meines Geistes prüfen, und zwar dreimal jeden Tag und dreimal pro Nacht.

(3) Ich will meine Fehler offen darlegen und es vermeiden, bei anderen Fehler zu suchen. Meine eigenen guten Eigenschaften werde ich verborgen halten und die guten Eigenschaften der anderen bekannt machen.

(4) Ich will mich stets vom Begehren nach materiellem Gewinn und Ansehen wie auch vom Begehren nach Profit und Ruhm befreien. Daher werde ich nur wenige Wünsche hegen, zufrieden sein, und gute Taten, die vollbracht wurden, offen wertschätzen.

(5) Ich will über Liebe und Mitgefühl meditieren und meine Bodhichitta-Ausrichtung festigen. Ich werde mich daher von den zehn zerstörerischen Handlungen befreien und meinem Geist durch den Glauben an Tatsachen Festigkeit verleihen.

(6) Ich will Zorn und Stolz überwinden und eine Haltung von Bescheidenheit entwickeln. Daher werde ich unehrliche Lebensweisen überwinden und mein Einkommen durch einen Lebenserwerb bestreiten, der mit dem Dharma im Einklang steht.

(7) Ich will mich aller materiellen Bürden entledigen und mich mit den Juwelen der Aryas schmücken. Daher werde ich mich von allen geschäftigen Aktivitäten befreien, und in Abgeschiedenheit leben.

(8) Ich will mich unnützer Worte entledigen und jederzeit meine Rede zügeln. Sollte ich einem herausragenden Lehrer oder einem gelehrten Meister begegnen, werde ich ihm daher in respektvoller Weise meine Dienste anbieten.

(9) Ich werde meine Wahrnehmung erweitern und Menschen, die das Auge des Dharma besitzen, als auch begrenzte Wesen, die Anfänger sind, als meine Lehrer betrachten.

(10) Wann auch immer ich in ihren Fähigkeiten begrenzte Wesen sehe, will ich meine Wahrnehmung erweitern und sie als meinen Vater, meine Mutter, mein Kind oder Enkelkind betrachten. Daher werde ich mich von irreführenden Freunden abwenden und mich spirituellen Freunden anvertrauen.

(11) Ich will mich von Feindseligkeit und unbehaglichen Geisteszuständen befreien und glücklich an alle Orte gehen daher werde ich mich von allem, dem ich anhafte, befreien und ohne Anhaftung leben.

(12) Mit Anhaftung werde ich nicht einmal eine glückliche Wiedergeburt erlangen, sondern in Wirklichkeit meiner Befreiung die Lebenskraft abschneiden daher werde ich, wo auch immer ich eine Glück bringende Dharma-Methode erblicke, mich stets um ihre Anwendung bemühen.

(13) Was auch immer ich zuerst begonnen habe, eben dieses will ich auch als erstes vollenden. Alle Aufgaben werden auf diese Weise gut vollendet; ansonsten würde weder dieses noch jenes zu einem Ende gebracht.

(14) Solange ich immer noch fortwährend negativ handele und von Freude getrennt bin, will ich, immer wenn in mir ein Gefühl von Überlegenheit aufsteigt, meinen Stolz bändigen und mich dann der richtungweisenden Belehrungen meines herausragenden Lehrers erinnern.

(15) Und wenn in mir Gefühle der Entmutigung aufsteigen, will ich die herausragenden Aspekte des Geistes preisen und über die Leerheit der zwei Zustände meditieren.

(16) Wann immer in einer Situation ein Objekt der Anhaftung oder Feindseligkeit erscheint, will ich es wie eine Illusion oder Projektion betrachten; wann immer ich unangenehme Worte höre, will ich sie wie ein Echo betrachten; und wann immer meinem Körper Schaden zuteil wird, will ich dieses als Ergebnis meines früheren Karmas betrachten.

(17) Ich will mein Leben verbessern, indem ich an einem zurückgezogenen Ort jenseits der Begrenzungen der Städte weile, und gleich dem Kadaver eines toten Wildes, mich in Abgeschiedenheit verberge und anhaftungslos lebe.

(18) Dort will ich immer stabil bei meiner Buddha-Form sein; und wann immer in mir ein Gefühl von Faulheit oder Erschöpfung entsteht, will ich meine eigenen Unzulänglichkeiten aufzählen und mich der essentiellen Punkte zur Zähmung des Verhaltens erinnern.

(19) Sollte ich jedoch anderen Menschen begegnen, will ich auf ruhige, freundliche und ernsthafte Weise sprechen, mich jeglichen Stirnrunzelns oder verschlossenen Gesichtausdruckes entledigen, und im Gesicht stets ein Lächeln tragen.

(20) Und wenn ich fortwährend anderen Menschen begegne, will ich all meine Knauserigkeit ablegen, mich stattdessen am Geben erfreuen, und mich selbst von allem Neid befreien.

(21) Um den Geist anderer zu schützen, will ich mich aller Streitigkeiten entledigen, und stets Geduld üben.

(22) In Freundschaften will ich mich weder kriecherisch noch wankelmütig verhalten, sondern stets ein treuer und zuverlässiger Freund sein; ich werde mich davon befreien, andere zu beleidigen, und einen respektvollen Umgang wahren. Dann, wenn ich anderen richtungweisende Belehrungen gebe will ich mitfühlend und hilfsbereit sein.

(23) Ich will den Dharma niemals verleugnen, und meine Absichten an jenen ausrichten, die ich inbrünstig bewundere; ich will mich bemühen, dass ich während meiner Tage und Nächte, immer wieder durch die Tore der zehn Dharma-Handlungen gehe.

(24) Ich will all die heilsamen Taten, die ich in den drei Zeiten angehäuft habe der unvergleichlichen Erleuchtung widmen, und meine positive Energie allen Wesen zuteil werden lassen. Und will ständig das großartige Gebet der Sieben Zweige darbringen.

(25) Indem ich so handle, will ich meine zwei Netzwerke von positiver Kraft und tiefem Gewahrsein zur Vollendung bringen, und zudem in mir die zwei Verdunklungen erschöpfen. Ich habe einen menschlichen Körper erlangt – dies soll einen Sinn bekommen, indem ich die unvergleichliche Erleuchtung erlange.

(26) Das Juwel des Glaubens an Tatsachen, das Juwel der ethischen Selbst-Disziplin, das Juwel der Großzügigkeit, das Juwel des Zuhörens, das Juwel des dafür Sorgetragens, wie mein Verhalten anderen erscheint, das des ethischen Ehrgefühls und das Juwel des unterscheidenden Gewahrseins - alles in allem sieben.

(27) Diese heiligen Juwelen sind die sieben Juwelen, die sich niemals erschöpfen. Sie sollten gegenüber menschenähnlichen Wesen nicht erwähnt werden.

(28) Ich will immer wieder meine Sprache prüfen, wenn ich inmitten vieler bin, und wieder und wieder meine Geisteszustände, wenn ich alleine bin.

(Tib. "Byang-chub sems-dpa'i nor-bu'i phreng-ba", Skt. "Bodhisattva-mani-avali" von Atisha (Dipamkara Shrijnana). Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin. Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger.)

 

 

Geistesschulung

 

Langri Tangpa (1054-1123) - Acht Verse der Geistesschulung:

(1) Möge ich stets alle begrenzten Wesen hoch schätzen, indem ich bedenke, dass sie viel wertvoller sind als Wunsch erfüllende Edelsteine, um das höchste Ziel zu erreichen.

(2) Wann immer ich in Gesellschaft anderer bin, möge ich mich als den geringsten von allen betrachten, und aus tiefstem Herzen andere für höher als mich selbst erachten.

(3) Möge ich in all meinem Verhalten den Fluss meines Geistes überprüfen und störenden Emotionen oder Vorstellungen, sobald sie auftauchen, mit aller Kraft entgegentreten und sie von mir weisen, weil sie mir und anderen nicht gerecht werden.

(4) Wenn ich ein Wesen sehe, das instinktiv böse handelt, überwältigt von Lastern und heftigem Leid, möge ich es für so wertvoll halten, als sei ich auf einen schwer zu findenden, kostbaren Schatz gestoßen.

(5) Wenn andere mich aus Neid ungerecht behandeln, beschimpfen, verleumden und dergleichen, möge ich Niederlagen akzeptieren und den Sieg anderen überlassen.

(6) Selbst wenn jemand, dem ich geholfen habe und in den ich große Erwartungen setze, mir völlig unberechtigt schaden würde, möge ich ihn als vortrefflichen Lehrer ansehen.

(7) Kurz gesagt, möge ich all meinen Müttern alles zukommen lassen, was ihnen nützt und sie glücklich macht, sei es direkt oder indirekt, und möge ich insgeheim all ihre Schwierigkeiten und ihr Leid übernehmen.

(8) Möge ich während all dessen unbeeinträchtigt von den Makeln der Gedanken an die acht flüchtigen, weltlichen Belange sein. Möge ich in dem Wissen, dass alle Phänomene gleich Illusionen sind, nicht daran hängen und mich von allen Fesseln befreien.

(“Blo-sbyong tshig-brgyad-ma” von Langri-tangpa (dGe-bshes gLang-ri thang-pa). Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin. Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger, überarbeitet von Conni Krause.)

 

 

Paramita

 

Transzendente Tugenden:

Paramita sind im Buddhismus die sogenannten transzendenten Tugenden, die ans andere (para) Ufer (mita) der Weisheit, also zum Erwachen, führen.

Man spricht, vor allem in der Mahayana Tradition, von sechs Paramita, manchmal, vor allem im Theravada, auch von zehn Parami.

Die sechs Tugenden im Lotus-Sutra des Mahayana sind:

Freigebigkeit (Dana paramita),
ethische Richtlinien (Sila paramita),
Geduld (Kshanti paramita),
energisches Bemühen (Virya paramita),
Meditation (Dhyana paramita),
Weisheit (Prajña paramita).

Im Theravada sind zehn Parami bekannt:

Gebefreudigkeit, Freigebigkeit (Dana Parami),
ethisches Verhalten, Sittlichkeit (Sila Parami),
freiwilliger Verzicht, Entsagung (Nekkhamma Parami),
Weisheit (Pañña Parami),
Willenskraft (Viriya Parami),
Geduld (Khanti Parami),
Wahrhaftigkeit (Sacca Parami),
Standhaftigkeit, Entschlossenheit (Adhitthana Parami),
Mitfühlende Güte, liebevolle Güte (Metta Parami),
Gleichmut (Upekkha Parami).

 

 

Yamas und...

 

...Niyamas lassen sich besonders leicht als Gelöbnisse formulieren. Wir kennen die Begriffe aus den Yoga-Sutras des Patanjali, die wir vor einiger Zeit unter "Dies und Das" im Weg-Arbeiter-Bereich lesen konnten. Hier haben wir also eine Reihe von "Gelöbnissen" aus dem hinduistischen Kontext. Ich verweise hier auf die Wikipedia, wo zu den Yamas und Niyamas folgendes steht (die weiteren sechs Begriffe könnt ihr der Einfachheit halber dort nachschlagen):

Yama (Enthaltung, Selbstkontrolle) ist die erste Stufe des Raja Yoga (bzw. Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga) nach Patanjali und stellt eine Art Verhaltenskodex dar. Die weiteren sieben Stufen des Raja Yoga sind Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Es werden insgesamt fünf Yamas beschrieben: Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya und Aparigraha. Sie sind Bestandteil des Sadharana Dharmas, allgemeine Verhaltensregeln der Hindus.

1. Ahimsa
Himsa bedeutet im Sanskrit Gewalt oder Grausamkeit. Ahimsa, die Nicht-Gewalt, meint aber mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt. Unter Ahimsa versteht man auch Freundlichkeit, Zugewandtheit und Rücksichtnahme – einen wohlüberlegten Umgang mit allen Lebewesen und mit sich selbst. Es bedeutet allerdings nicht, dass man sich im Angriffsfall nicht verteidigen darf. Ahimsa ist auch keine übersteigerte Enthaltung von jedem Töten auch noch so kleiner Tiere. Anders als manchen buddhistischen Mönchen wäre es einem Raja-Yoga-Betreibenden möglich, einen Garten umzugraben, selbst wenn dabei kleine Tiere wie zum Beispiel Würmer zu Tode kommen.
Ahimsa soll in Gedanken, Worten und Taten praktiziert werden. Das bedeutet, nicht negativ über jemanden zu sprechen oder zu denken, da dies eine schädigende Wirkung für den Betroffenen und auch für den Negativ-Denkenden selbst haben würde.
In einem weiteren Sinne bedeutet Ahimsa, den Wunsch zu Töten zu überwinden. Das beinhaltet, dass die klassischen Yogapfade eine vegetarische Ernährung vom Schüler fordern. Ahimsa ist sozusagen die Grundlage für eine erfolgreiche Yogapraxis, bei der die Entwicklung der seelischen Fähigkeiten im Vordergrund steht. Gewaltanwendung gegen andere aufzugeben, beruht auf der Erkenntnis der gemeinsamen Wurzeln, und ist zuletzt auch ein Anerkenntnis an das eigene Sein und an das Lebensprinzip überhaupt. Die klassischen Yogatexte (zum Beispiel Yogasutra von Patanjali, 3. Kap.) berichten davon, dass fortgeschrittene Praktiker enorme psychische Fähigkeiten erlangen können. Ein Mensch, der nicht in Ahimsa gefestigt ist, wäre für sich und andere unter Umständen ein großes Risiko. Daher stellt die Auseinandersetzung mit dieser Thematik eine für die Praxis nicht zu vernachlässigende Größe dar.

2. Satya
Satya bedeutet im Sanskrit Wahrhaftigkeit, Wahrheit. Gemeint ist, in Worten, Taten und Gedanken wahrhaftig zu sein und stets die Wahrheit zu sagen. "Je wahrhaftiger ein Mensch spricht, desto mächtiger werden seine Worte" Zitat von T. K. V. Desikachar. Wahrhaftig sein bedeutet auch, sich nicht selbst zu belügen, sich selbst auch unangenehme Dinge einzugestehen, zum Beispiel wenn man einen Fehler gemacht hat. Doch nicht immer ist es im Sinne von Satya erstrebenswert, die Wahrheit zu sagen, denn sie könnte andere verletzen. Satya bedeutet, zu bedenken, was wir sagen, wie wir es sagen und auf welche Weise es jemanden treffen kann. Ein bewusster Umgang mit Worten also, und das bedeutet auch, dass es manchmal besser ist, zu schweigen. In einem tieferen Sinne bedeutet es auch einen bewussten Umgang mit Gedanken - denn der Gedanke ist die Wurzel der Worte.

3. Asteya
Steya bedeutet im Sanskrit Diebstahl, asteya ist das Gegenteil und bedeutet, nichts zu nehmen, was einem nicht gehört (oder gegeben wurde). Dies bezieht sich nicht nur auf materielles, sondern auch auf geistiges Eigentum: Zum Beispiel sich nicht mit fremden Federn zu schmücken - oder Menschen, die einem Dinge oder Gedanken anvertrauen, nicht zu enttäuschen.

4. Brahmacharya
Brahma bedeutet im Sanskrit das Wesentliche, das Eine Wahre – char bedeutet bewegen – Brahmacharya ist also die "Bewegung auf das Wesentliche hin." Brahmacharya wird in manchen Richtungen/Schulen des Yoga als sexuelle Enthaltsamkeit interpretiert. Meistens ist gemeint, dass der Yogi sein Leben und seine Beziehungen zu Menschen und Dingen so gestaltet, dass sie seinem Streben nach Weisheit und seinem Verständnis der höchsten Weisheiten förderlich sind.

5. Aparigraha
Aparigraha bedeutet im Sanskrit Nicht-Zugreifen. Gemeint ist, immer nur das anzunehmen, was angemessen ist, keine vermeintlich "günstigen" Gelegenheiten auszunutzen (Mitnahme-Mentalität) und keine anderen Menschen auszunutzen. Auch bei der Annahme von Belohnungen und Geschenken soll der Yogi sich zurückhalten, denn sie tendieren dazu, dem Beschenkten Verpflichtungen und Bindungen zu schaffen.


Niyama (Verhaltensregel, Einschränkung) ist die zweite Stufe des Raja Yoga (bzw. Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga) nach Patanjali und stellt eine Art Verhaltenskodex dar. Die anderen sieben Stufen des Raja Yoga sind Yama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.
Es werden insgesamt fünf Niyamas beschrieben: Sauca, Samtosha, Tapas, Svadhyaya und Ishvarapranidhana.

1. Sauca
Sauca bedeutet im Sanskrit Sauberkeit, Reinheit, das "Geklärte" - gemeint sind ein innerer und ein äußerer Aspekt. Äußerlich ist schlicht körperliche Hygiene gemeint, innerlich geht es einerseits um die gesunde und von keinen Unreinheiten blockierte Funktion des Körpers, andererseits um die Klarheit des Geistes. Die asana (Yogahaltungen) und das pranayama (Atemübung) gelten als wesentliche Mittel zur Erlangung der inneren Reinheit. Außerdem gibt es im Yoga eine Reihe von Kriyas (Reinigungsübungen).

2. Samtosa
Samtosa bedeutet im Sanskrit Genügsamkeit, Bescheidenheit, Zufriedenheit. Oft haben Menschen bestimmte Erwartungen und gewünschte Ergebnisse schon vor Augen, und dann sind sie enttäuscht, wenn es doch ganz anders kommt. Samtosa bedeutet, anzunehmen, was sich ergeben hat, die Dinge so zu nehmen, wie sie eben sind. Anstatt über Misserfolge zu jammern, kann man sie auch annehmen und aus ihnen lernen. Samtosa bedeutet auch, sich nicht mit anderen zu vergleichen.

3. Tapas
Tapas bedeutet im Sanskrit etwa den Körper "erhitzen": gemeint ist, den Körper gesund und fit zu halten. Disziplin und Ausdauer beim regelmäßigen Üben der Asanas und sich des "Abfalls" im Körper durch "Verbrennung" (Anfachung des inneren Feuers/Agni) zu entledigen. Dazu gehört auch Achtsamkeit gegenüber den Essgewohnheiten. Aufmerksames Üben des Körpers, Achtsamkeit beim Essen und bewusstes Atmen werden als Hilfen gegen die Ablagerung von "Schlacken" betrachtet, worunter nicht nur z.B. Giftstoffe der Nahrung zu verstehen sind, sondern auch der ganze "Psychomüll" der verdrängt wird und sich ansammelt.

4. Svadhyaya
Sva bedeutet im Sanskrit "selbst", "zu mir gehörig" - adhyaya bedeutet im Sanskrit Untersuchung, Erforschung, "an etwas nahe herangehen". Svadhyaya ist also Selbsterforschung, Reflexion - sich selbst näherkommen. Das eigene Denken und Handeln soll beobachtet und kritisch hinterfragt werden, um so insgesamt bewusster zu werden. Ein weiterer Aspekt von svadhyaya ist das "Studium der alten Texte", denn gemäß der Lehre sollte man sich nicht immer um sich selbst drehen, sondern braucht Bezugspunkte: Das kann die Bibel sein, das Yoga-Sutra, die Bhagavad-Gita, die Veden und Upanishaden oder andere Überlieferungen und Texte mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Hintergrund.

5. Ishvarapranidhana
Ishvarapranidhana bedeutet im Sanskrit die Hinwendung zu Gott oder auch Gottvertrauen. Es genügt, zu wissen, dass man sein Bestes getan hat: Den Rest kann man dann getrost in Gottes Hände legen. Oft zweifeln Menschen, haben Ängste, fürchten sich vor der Zukunft: ishvarapranidhana bedeutet, sich von Ängsten und Zweifeln zu befreien und einfach zu wissen, dass Gott es gut mit uns meint und den richtigen Weg weiß. Wunschlosigkeit, weil Gott viel besser weiß, was wir wirklich brauchen.

 

 

Die zehn Grundsätze

 

Aus den chassidischen Erzählungen hier im geschlossenen Bereich:

 
Rabbi Dow Bär von Mesritsch sprach zu seinem Schüler Rabbi Sussja: "Die zehn Grundsätze des Dienstes kann ich dich nicht lehren. Aber du magst zu einem kleinen Kind und zu einem Dieb in die Lehre zu gehen.

Drei Dinge wirst du von dem Kinde lernen:
es ist fröhlich, ohne eines Antriebes zu bedürfen;
keinen Augenblick verweilt es müßig;
und woran es Mangel hat, weiß es kräftig zu begehren.
In sieben Dingen wird dich der Dieb unterweisen:
er tut seinen Dienst in den Nächten;
erlangt er es nicht in einer Nacht, so wendet er die kommende dran;
er und seine Werkgenossen lieben einander;
er wagt sein Leben um ein Geringes;
was er erbeutet hat, gilt ihm so wenig, dass er es einfach hingibt;
er lässt Schläge und Plagen über sich ergehen, und es ficht ihn nicht an;
sein Handwerk gefällt ihm wohl, und er tauscht es für kein anderes ein."

 

 

Eine Lampe

 

Atisha 980-1054 - Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung
 
Ich werfe mich vor dem jugendhaften Bodhisattva Manjushri nieder.

Das Versprechen einen Text zu verfassen

1. Nachdem ich mich voller Respekt vor den Triumphreichen der drei Zeiten vor ihrem Dharma und der Sangha-Gemeinschaft niedergeworfen habe, möchte ich, da mich mein ausgezeichneter Schüler Dschangtschub-Ö dazu gedrängt hat, eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung anzünden.

2. Da es Praktizierende mit Fähigkeiten der anfänglichen, mittleren und höchsten Stufe gibt, sind diese als die drei Arten von spirituellen Personen bekannt. Ich möchte daher über diese speziellen Unterteilungen schreiben und ihre jeweils definierenden Eigenschaften erläutern.

Die anfängliche Stufe

3. Jeder Mensch, der großes Interesse an sich selber hat – und daran, mithilfe von diversen Methoden – lediglich das Glück des sich unkontrollierbar wiederholenden Samsara zu erlangen, wird als Mensch mit geringstem spirituellen Horizont bezeichnet.

Die mittlere Stufe

4. Jeder Mensch, der die Veranlagung hat, den Vergnügungen der zwanghaften Existenz den Rücken zuzuwenden und negative karmische Impulse umzukehren, und der lediglich großes Interesse an seinem eigenen inneren Frieden hat, wird als ein Mensch mit mittlerem spirituellen Horizont bezeichnet.

Bodhichitta als Zugang zur fortgeschrittenen Stufe

5. Jeder, der sich von ganzem Herzen wünscht, alle Leiden aller Wesen genauso vollständig zu beseitigen, wie er die Leiden in seinem eigenen geistigen Kontinuum beseitigen möchte, ist ein Mensch mit der höchsten Motivation.

6. Für diese heiligen Wesen, die den Wunsch entwickelten, die höchste Erleuchtung zu erlangen, möchte ich die vollkommenen Methoden erläutern, die uns die Gurus gezeigt haben.

Das Ritual zum Erzeugen des anstrebenden Bodhichittas in Verbindung mit Ratschlägen

7. Vor Gemälden, Statuen und ähnlichen Dingen, die vollständig erleuchtete Buddhas darstellen wie auch vor Stupas und heiligen Dharma-Texten, bringe Blumen, Räucherwerk, oder was immer du an materielle Gaben haben magst, dar.

8. Auch mit der siebengliedrigen Praxis der Gabendarbringung, die im „Gebet für ausgezeichnetes Verhalten“ erwähnt wird, verbunden mit der geistigen Haltung, dass du niemals umkehren wirst, bis du die letztendliche Verwirklichung deiner Buddha-Essenz erlangt hast,

9. mit tiefstem Vertrauen in die Drei Höchsten Juwelen, mit einem gebeugten Knie den Boden berührend, und mit aneinander gelegten Handflächen, gebe deinem Leben zunächst dreimal eine sichere Ausrichtung, nimm dreimal Zuflucht.

10. Von einem Geist voller Liebe gegenüber allen begrenzten Wesen ausgehend betrachte als nächstes alle im Daseinskreislauf umherwandernden Wesen – und lasse dabei kein einziges Wesen aus – wie sie unter Geburt, Tod, Zwischenzustand usw. in den drei schlechten Bereichen leiden.

11. Erzeuge dann, verbunden mit dem Wunsch, dass alle umherwandernden Wesen von den Leiden des Schmerzes, von Leiden und von den Ursachen des Leidens frei sein mögen, das Bodhichitta des Versprechens, mit dem du niemals wieder umkehren wirst.

12. Die Vorzüge, die sich daraus ergeben, eine solche anstrebende Geisteshaltung zu entwickeln, sind von Maitreya ausführlich in seinem Werk „Das Sutra, das sich wie ein Baumstamm ausbereitet“ erläutert worden.

13. Wenn du dieses Sutra gelesen hast oder von deinem Guru diesbezüglich etwas gehört hast, und wenn du der grenzenlosen Vorteile des vollständigen Bodhichittas gewahr geworden bist, dann entwickle diese Geisteshaltung wieder und wieder, als Ursache dafür, diese stabil in deinem Geist zu verankern.

14. Die positiv Kraft des Bodhichittas wird ausführlich im „Sutra, das von Viradatta erbeten wurde“ dargestellt. Da sie dort lediglich in drei Versen zusammengefasst ist, möchte ich diese hier zitieren:

15. „Wenn die positive Kraft von Bodhichitta eine Form besäße, würde sie den Weltraum vollständig ausfüllen, und sogar über ihn hinausgehen.

16. Selbst wenn jemand die Buddha-Felder, deren Anzahl den Sandkörnern des Ganges gleicht, mit Juwelen füllen sollte, und sie den Beschützern der Welt darbringen würde,

17. so wäre doch die Gabe von jemandem, der seine Handflächen aneinanderlegt, und seinen Geist auf Bodhichitta ausrichtet, wesentlich edelherziger; die Gabe wäre endlos.“

18. Nachdem du die anstrebenden Stufen des Bodhichittas entwickelt hast, unterstütze diese Zustände jederzeit durch zahlreiche Bemühungen; und um sie sich zudem in diesem und in anderen Leben stets zu vergegenwärtigen, schütze auch die Schulungen sorgfältig, die in den Texten erwähnt werden.

Die Gelübde des ausübenden Bodhichittas nehmen

19. Außer durch die Gelübde, die das eigentliche Wesen des ausübenden Bodhichittas sind, wird dein reines Bestreben niemals anwachsen. Deshalb nimm sie, mit dem Wunsch, in Richtung auf die angestrebte volle Erleuchtung voranzuschreiten, definitiv an, energisch für eben diesen Zweck.

20. Wer jederzeit die anderen Gelübde aufrechterhält, von einer der sieben Gelübdegruppen der individuellen Befreiung, hat die angemessene Voraussetzung für das Nehmen der Bodhisattva-Gelübde; alle anderen nicht.

21. Bezüglich der sieben Gelübdegruppen der individuellen Befreiung, hat der Entsprechend Vorangeschritten in seinen Erläuterungen erklärt, dass jene der Glorreichen Enthaltung die Höchsten sind; und das sind die Gelübde der voll ordinierten Mönche.

22. Nimm die Bodhisattva-Gelübde von einem vortrefflichen, voll qualifizierten Guru, gemäß dem Ritual, wie es im „Kapitel über die ethische Disziplin“ in den „Bodhisattva-Stufen“ gut dargelegt wird.

23. Wisse, dass ein vortrefflicher Guru jemand ist, der erfahren im Durchführen der Gelübde-Zeremonie ist, seiner Veranlagung gemäß entsprechend der Gelübde lebt, das Vertrauen hat, die Gelübde zu übertragen, und der Mitgefühl besitzt.

24. Wenn du dich jedoch darum bemüht hast, aber solch einen Guru nicht finden konntest, dann gibt es noch ein anderes Ritual als dieses zum Empfangen der Gelübde, das ich hier nun vollständig erläutern werde.

25. In Bezug darauf, werde ich hier sehr klar dargestellt niederschreiben, wie Manjushri in früheren Zeiten, als er der König Ambaraja war, Bodhichitta erzeugt hat, genauso wie es im Sutra „Ein Schmuck für Manjushris Buddha-Feld“ erläutert wird.

26. „Vor den Augen meiner Beschützer erzeuge ich Bodhichitta, und, all die in Samsara umherwandernden Wesen als meine Gäste einladend, werde ich sie aus den unkontrollierbaren Wiedergeburten befreien.

27. Von nun an, bis ich den höchsten gereinigten Zustand erlangt habe, werde ich niemals mehr mit üblen Absichten handeln, auch nicht mit Wut, Geiz oder Eifersucht.

28. Ich werde im Einklang mit dem enthaltsamen Verhalten leben; ich werde mich von Negativitäten und Begierde befreien. Mich an den Gelübden der ethischen Disziplin erfreuend, werde ich mich beständig genauso üben, wie es die Buddhas getan haben.

29. Ich werde keine Freude daran haben, Erleuchtung durch schnelle Methoden lediglich für mich selbst zu erlangen, sondern will bis ans Ende der Zeiten verweilen, wenn dies die Ursache dafür ist, auch nur einem einzigen begrenzten Wesen zu helfen.

30. Ich werde alles in unermessliche, unvorstellbare Bereiche reinigen, und überall in den zehn Himmelsrichtungen verweilen, für diejenigen, die meinen Namen gerufen haben.

31. Ich werde alle Handlungen meines Körper und meiner Sprache bereinigen, und auch die Handlungen meines Geistes: Ich werde niemals irgendwelche destruktiven Handlungen begehen.“

Sich im Bodhisattva-Verhalten üben
Sich in der Höheren Ethischen Disziplin üben

32. Wenn du dich in den drei Übungsgruppen der ethischen Disziplin gut übst, indem du im Einklang mit den Gelübden lebst, die das eigentliche Wesen des ausübenden Bodhichittas sind, und die die Ursache dafür bilden, dass du deinen Körper, deine Sprache und deinen Geist vollständig reinigst, wird sich dein Respekt gegenüber den drei Übungsgruppen der ethischen Disziplin vergrößern.

33. Dadurch wirst du den vollständig gereinigten, vollkommenen Zustand der Erleuchtung erlangen; denn wenn du dich in den Gelübden des Bodhisattvas übst, wirst du die Netzwerke gänzlich vervollständigenden, die du für vollkommene Erleuchtung benötigst.
Sich in der Höheren Konzentration üben

34. Was die Ursache betrifft, die diese Netzwerke vervollständigen wird, die das Wesen positiver Kraft und tiefen Gewahrseins haben: Alle Buddhas haben bestätigt, dass es die Entwicklung eines höher entwickelten Gewahrseins ist.

35. Gleich einem Vogel, der ohne vollständig entwickelte Flügel im Himmel nicht fliegen kann, wirst du nicht in der Lage sein, die Wünsche der begrenzten Wesen zu erfüllen, wenn dir die Kraft des höher entwickelten Gewahrseins fehlt.

36. Wie viel positive Kraft auch immer an einem Tag und in einer Nacht, bei jemanden mit höher entwickeltem Gewahrsein entsteht, ein solche Kraft kann nicht einmal in einhundert Lebensspannen von jemandem erlangt werden, der kein höher entwickeltes Gewahrsein besitzt.

37. Wenn du daher die Netzwerke der vollkommenen Erleuchtung schnell gänzlich vervollständigen möchtest, dann strenge dich an und erlange dadurch ein höher entwickeltes Gewahrsein. Man erlangt es nicht durch Faulheit.

38. Wer noch keinen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geist entwickelt hat wird auch kein höher entwickeltes Gewahrsein erlangen. Darum übe dich wiederholt darin, einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand zu realisieren.

39. Sollten aber die Faktoren schwach sein, die zum Erlangen eines still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geistes führen, dann wirst du keine einsgerichtete Konzentration erlangen, auch wenn du mit großer Bemühung und für Tausende von Jahren meditiert haben solltest.

40. Halte daher die Faktoren im Sinn, die im Kapitel „Ein Netzwerk zum Erzeugen einsgerichteter Konzentration“ erwähnt sind. Lenke dann dein Gewahrsein auf etwas Konstruktives: nämlich auf eines der angemessenen Konzentrationsobjekte.

41. Wenn ein Yogi oder eine Yogini einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geist realisiert, erlangt er oder sie auch ein höher entwickeltes Gewahrsein.

Sich in Höherem Unterscheidenden Gewahrsein üben

Wenn du es jedoch versäumt hast, dich im weitreichenden unterscheidenden Gewahrsein zu üben, wirst du nicht in der Lage sein, deine Schleier zu beseitigen.

42. Daher, wenn du alle Schleier in Bezug auf die störenden Emotionen und auf alle erkennbaren Phänomene ausnahmslos beseitigen möchtest, meditiere beständig über das Yoga des weitreichenden unterscheidenden Gewahrseins in Verbindung mit den Methoden.

43. Denn unterscheidendes Gewahrsein ohne Methoden, wie auch Methoden ohne unterscheidendes Gewahrsein, werden gleichermaßen immer noch als Fesseln bezeichnet. Verzichte daher niemals auf eines von beiden.

44. Um alle Zweifel in Bezug auf die Frage zu beseitigen, was das unterscheidende Gewahrsein ist und was zu den Methoden gehört, möchte ich hier den Unterschied zwischen Methoden und unterscheidendem Gewahrsein erläutern.

45. Der Triumphreiche hat erläutert, dass, abgesehen von dem weitreichenden unterscheidenden Gewahrsein, alle Netzwerke konstruktiver Geistesfaktoren, wie beispielsweise die weitreichende Großzügigkeit usw., Methode sind.

46. Durch die Kraft, die daraus entsteht, dass jemand über die Methoden meditiert hat, kann jemand mit einer Bodhichitta- Natur, indem er mit unterscheidendem Gewahrsein gründlich über etwas meditiert hat, schnell die Erleuchtung erlangen. Die Erleuchtung kommt nicht dadurch zustande, dass man allein über die Abwesenheit von inhärenter Identität meditiert hat.

47. Das Gewahrsein der Leerheit von inhärenter Existenz, mit dem man in tiefer Weise erkannt hat, dass die Aggregate, die Wahrnehmungsquellen und die Wahrnehmungsanreger kein inhärent existierendes Entstehen haben, wurde vollkommen als unterscheidendes Gewahrsein erläutert.

48. Wenn die Dinge zur selben Zeit wie ihre Ursachen inhärent existieren würden, wäre es nicht logisch, wenn sie in Erscheinung treten müssten. Wenn sie ferner inhärent überhaupt nicht existieren würden, dann könnten sie überhaupt nicht in Erscheinung treten – gleich Blumen aus dem leeren Raum heraus. Da es darüber hinaus zu der absurden Schlussfolgerung beider dieser Fehler kommen würde, entstehen die Dinge auch nicht aus beiden also sowohl inhärent existent als auch inhärent nicht-existent zur Zeit ihrer Ursachen.

49. Die Phänomene entstehen nicht aus sich Selbst heraus, noch aus etwas, das inhärent verschieden ist, auch nicht aus beidem. Sie entstehen auch nicht aus überhaupt keiner Ursache heraus. Deshalb hat alles seinem Wesen nach keinerlei inhärente Existenz.

50. Wenn Du darüber hinaus alle Dinge in Bezug darauf analysiert, ob sie inhärent eins oder viele sind, dann – da niemand auf etwas zeigen kann, was Existenz von seiner eigenen Natur her hat – kannst du Gewissheit über die Nicht-Existenz von inhärenter Existenz erlangen.

51. Die Argumentationsketten, die du in den Schriften: „Siebzig Verse über Leerheit“ und „Wurzeltext zum mittleren Weg“ usw. findest, erläutern dir gleichermaßen, wie die Leerheit als die Natur aller Phänomene begründet wird.

52. Da dieser Text jedoch zu lang geworden wäre, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter auf das Thema ein. Was ich erläutert habe, war zum Zwecke der Meditation nur auf einem bewährten Lehrmeinungssystem basierend.

53. Da du nicht auf die inhärente Existenz von irgendetwas abzielen kannst, und in Bezug hierauf gibt es keine Ausnahme, ist die Meditation über das Fehlen einer inhärenten Identität eine Meditation über das unterscheidende Gewahrsein.

54. Mit unterscheidendem Gewahrsein wird man niemals die inhärente Natur irgendeines Phänomens wahrnehmen; und es wird erklärt, dass dies auch in Bezug auf den tatsächlichen Zustand des unterscheidenden Gewahrseins selbst gilt. Meditiere in dieser Weise nicht-konzeptuell über Leerheit.

55. Diese zwanghafte Existenz, die durch unsere konzeptuellen Gedanken über inhärente Existenz entsteht, besitzt eine lediglich erfundene wahre Natur – hervorgebracht durch diese konzeptuellen Gedanken. Der Zustand, in dem man sich von all diesen konzeptuellen Gedanken ausnahmslos befreit hat, wird deshalb als der „Höchste Nirvana-Zustand jenseits der Sorgen“ bezeichnet.

56. Der Alles Übertreffende Siegreiche Meister hat zudem gesagt: „Konzeptuelle Gedanken an inhärente Existenz sind große Unwissenheit, die dich in den Ozean der sich unkontrollierbar wiederholenden Existenzen fallen lässt. Indem du in einsgerichteter Konzentration verweilst, frei von konzeptuellen Gedanken von inhärenter Existenz, wirst du deinen Geist des klaren Lichts, der frei von diesen Konzepten ist, klar hervorbringen, der wie der Raum ist.“

57. In der „Dharani-Formel für den Eintritt in das Nicht-Konzepuelle“ hat er zudem gesagt: „Wenn die Nachkommen des Triumphreichen, die sich mit dieser reinen Dharmapraxis beschäftigen, über diesen Zustand der Abwesenheit von konzeptuellen Gedanken an inhärente Existenz meditieren würden, würden sie diese konzeptuellen Gedanken überwinden, die so schwierig abzuschütteln sind, und würden schrittweise einen Zustand erlangen, der frei von derlei Konzepten ist.“

58. Wenn du mittels dieser Zitate und Argumentationsketten die Gewissheit erlangt hast, dass alle Dinge leer von inhärenter Existenz sind, und ohne ein inhärent existierendes Entstehen, dann meditiere in einem Zustand, der frei von konzeptuellen Gedanken an inhärente Existenz ist.

Das Ergebnis verkörpern

59. Wenn du in dieser Weise über den tatsächlichen Zustand meditiert hast, und schrittweise die Stufe der Hitze und so weiter erlangt hast, wirst du die Stufe äußerster Freude und so weiter verwirklichen, und die Erleuchtung der Buddhaschaft ist nicht mehr fern.

60. Wenn du aber durch die Handlungen des Befriedens, des Anregens und so fort, die du durch die Kraft der Mantras und durch die Kräfte der acht großen Verwirklichungen und so weiter erlangt hast, wie beispielsweise die Verwirklichung der ausgezeichneten Vase und so fort,

61. und durch glückseliges Gewahrsein, wünschst, die Erleuchtung-bildenden Netzwerke zu vervollkommnen, und wenn du dir wünschst, auch die Handlungen der Geheimen Mantras zu üben, wie sie im Kriya-, Charya und den anderen Tantra-Klassen erörtert werden,

62. dann – um die Vajra-Meister-Ermächtigung zu erhalten – erfreue deinen heiligen Guru mit all solchen Dingen, wie beispielsweise: respektvollen Diensten, ihm wertvolle Substanzen zu geben usw. und indem du das tust, was er dir sagt.

63. Indem dir die vollständige Vajra-Meister-Ermächtigung übertragen wurde, weil du deinem Guru Freude bereitet hast, wirst du dich vollständig von allen negativen Kräften reinigen, und wirst, in deiner essentiellen Natur, mit den geeigneten Anteilen ausgestattet, um die tatsächlichen Verwirklichung zu erlangen.

64. Da es gemäß dem „Großen Tantra des ursprünglichen Buddha“ grundsätzlich untersagt ist, werden die geheimen Ermächtigungen und die Ermächtigung des unterscheidenden Gewahrseins von denen, die enthaltsam leben, nicht auf wörtliche Weise übertragen oder empfangen.

65. Wenn du diese Ermächtigungen so übertragen nehmen würdest, solange du noch im Einklang mit der mönchischen Übung der Enthaltsamkeit lebst, würdest du dadurch verbotene Handlungen begehen, und weil dem so ist, würden deine Gelübde der mönchischen Entsagung verloren gehen.

66. Mit anderen Worten: Als ein Übender des gezügelten Verhaltens würdest du einen Gelübde-Bruch der vollständigen Niederlage eingehen, und da du definitiv in einen der üblen Wiedergeburtszustände fallen würdest, würdest du niemals irgendwelche Verwirklichungen erlangen.

67. Wenn du jedoch in einer nicht-wörtlichen Weise die Übertragung der Vajra-Meister-Ermächtigung empfangen hast, und wenn du des tatsächlichen Zustandes gewahr bist, ist es kein Fehler, wenn du Erläuterungen zu allen Tantras anhörst, sie selber erläuterst, Feuer-Pujas durchführst, oder Gabendarbringungs-Pujas machst, und so weiter.

Ich, Shri Dipamkara der Ältere, der erkannt hat, dass alles genauso ist, wie es in den Dharma-Lehren der Sutras etc. erklärt wird, und der ich von Dschangtschub-Ö darum gebeten wurde, habe diese kurze Zusammenfassung der Erklärungen zum Pfad der Erleuchtung verfasst.

Dies schließt den Text „Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung“ ab, der vom großen Meister Dipamkara Shrijnana zusammengestellt worden ist. Der Text wurde vom indischen Abt Dipamkara Shrijnana selbst und dem tibetischen Übersetzer und Mönch Gewe Lodrö übersetzt, redigiert und endgültig fertig gestellt. Dieser Dharma-Text wurde im Toling-Tempel in Zhang-Zhung verfasst.

(Byang-chub lam-gyi sgron-ma, Skt. Bodhipathapradipam von Dipamkara Shrijnana Atisha. Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin in Übereinstimmung mit Erklärungen von Tsenzhab Serkong Rinpoche dem Kommentar des Vierten Panchen Lama. Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger. Lektorat: Monika Dräger.)

 

 

Tschuwa

 

hebräisch für "Rückkehr zu Gott"

 

Der fünfte Lubawitcher Rebbe lehrt anhand der fünf Buchstaben des hebräischen Wortes "Tschuwa" verschiedene Arten der Rückkehr zu Gott:

Das Taw steht für: "Tamim Tihjeh Im Haschem Elokecha" - "Sei aufrichtig mit Haschem, deinem Gott". Gefragt ist Aufrichtigkeit und Ganzheit des Herzens beziehungsweise innere Ernsthaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit.

Das Schin steht für: "Schiwiti Haschem Lenegdi Tamid" - "Ich habe Gott stets vor mir". Hier wächst die Rückkehr aus dem stetigen Bewusstsein, dass die gesamte Welt sowie alles in ihr permanent von Gott erschaffen und erhalten wird.

Das Waw steht für: "We'ahawta Lere'acha Kamocha" - "Liebe deinen Nächsten so wie Dich selbst". Diese Rückkehr wächst aus der Güte des Herzens.

Das Bet steht für: "Bechol Derachecha Da'ehu" - "Erkenne Ihn in all deinen Wegen". Hier führt die persönliche Wahrnehmung zu Gott zurück, dass alles was einem widerfährt, göttliche Vorsehung ist.

Das Hej steht für: "Haznea Lechet Im Elokecha" - "Wandele demütig mit deinem Gott". Der Mensch übt Bescheidenheit und handelt weder auffallend, noch ist er es. Die Kunstfertigkeit liegt dabei darin, dass die eigene Frömmigkeit und Demut als solche nicht auffallen sollen.

 

 

Franz von Assisi

 

Oh Herr, mach mich zum Werkzeug Deines Friedens,
dass ich Liebe übe da, wo man sich hasst;
dass ich verzeihe da, wo man sich beleidigt;
dass ich verbinde da, wo Streit ist;
dass ich Hoffnung erwecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.


Ach Herr, lass Du mich trachten,
nicht dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste;
nicht dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe;
nicht dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.


Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

 

 

Sieben Punkte

 

Geshe Chekawa (1101-1175) - Sieben Punkte der Geistesschulung

Version von Togmey-zangpo mit Anmerkungen

Verneigung vor dem Großen Mitgefühl.



Erster Punkt: Die vorbereitenden Übungen

Übe dich zuerst in den vorbereitenden Übungen kostbare menschliche Wiedergeburt, Tod und Vergänglichkeit, verhaltensbedingte Ursache und Wirkung, die Nachteile von Samsara



Zweiter Punkt: Das eigentliche Einüben von Bodhichitta

Die Übung des tiefsten Bodhichitta

Reflektiere darüber, dass die Phänomene wie einen Traum sind. Erkenne die grundlegende Natur des Gewahrseins, die kein Entstehen hat. Das Gegenmittel selbst befreit sich selbst am eigenen Ort. Die essentielle Natur des Pfades ist, in einem Zustand der allumfassenden Grundlage zur Ruhe zu gelangen. Handle zwischen den Sitzungen wie eine illusionsgleiche Person.

Die Übung des konventionellen Bodhichitta

Übe dich abwechselnd im Geben und Nehmen, lasse diese beiden auf dem Atem reiten.

In Bezug auf die drei Objekte, jene Wesen, die du attraktiv, unattraktiv oder neutral findest nimm die drei giftigen Geisteshaltungen, sehnsüchtiges Verlangen, Abscheu, Naivität und gib die drei Wurzeln dessen, was konstruktiv ist, Ablösung, Unerschütterlichkeit, Mangel an Naivität, während du dich mit Worten auf allen Pfaden des Verhaltens übst.

Was die Reihenfolge des Nehmens angeht, beginne bei dir selbst.



Dritter Punkt: Widrige Umstände in einen Pfad zur Erleuchtung verwandeln

Unser Verhalten mithilfe unserer Gedanken verwandeln

Wenn die Umgebung und ihre Bewohner voller negativer Kräfte sind, dann verwandele widrige Umstände in einen Pfad zur Erleuchtung, indem du eine Sache deine selbstbezogene Geisteshaltung als alle Schuld tragend verbannst und allen Wesen gegenüber mit großer Güte meditierst.

Unsere Sichtweise mithilfe unserer Gedanken verwandeln

Leerheit, die erkannt wird, indem man trügerische Erscheinungen in der Meditation als die vier Körper eines Buddhas sieht, ist die unübertroffene Beschützerin

Uns selbst mithilfe unserer Handlungen verwandeln

Die überragende Methode beinhaltet vier Handlungen die zu nutzen sind, positive Kraft aufbauen, dich selbst von negativer Kraft reinigen, schädigenden Geistern Gaben darbringen, und den erleuchtenden Einfluss der Dharma-Beschützer erbitten daher wende, was auch immer dir begegnen mag, sofort auf die Meditation an.



Vierter Punkt: Verdichtung der Praxis in einer Lebensspanne

Während unseres Lebens

Kurz gesagt: die Essenz der Quintessenz-Lehren ist das Anwenden der fünf Kräfte Absicht, weißer Same, Gewöhnung, alles sofort beseitigen, und Gebet

Zum Zeitpunkt des Todes

Die Quintessenz-Lehren für die Übertragung des Bewusstseins im Mahayana sind die fünf Kräfte selbst, während du deinem Pfad des Verhaltens Gewicht verleihst.



Fünfter Punkt: Das Ausmaß, in dem wir unseren Geisteshaltung geschult haben

Wenn all deine Dharmapraxis zu einer Absicht zusammen kommt um die Selbstbezogenheit zu beseitigen;

Wenn du von den zwei Zeugen andere Wesen und du selbst dich selbst als den Maßgeblichen nimmst, um zu prüfen, ob du folgendes geworden bist: ein großherziges Wesen, das vornehmlich an andere denkt; ein herausragendes Wesen, das sich in konstruktiven Verhalten geübt hat; ein herausragendes Wesen, das in der Lage ist Schwierigkeiten zu er dulden, um negative Umstände zu überwinden; ein großartiger Halter der Disziplin, in Bezug auf das Halten deiner Gelübde; ein herausragender Yogi, der sich an die Bodhichitta-Ausrichtung angepflockt hat.
Wenn du dich fortwährend auf deinen Geist verlassen kannst, dass er nur glücklich ist;

Und selbst wenn du abgelenkt bist, noch in der Lage bist, nicht selbstbezogen zu sein, dann hast du dein Übungsziel erreicht.



Sechster Punkt: Achtzehn Praktiken der engen Bindung für die Schulung der Geisteshaltungen

1.–3. Übe dich stets in den drei allgemeinen Punkten. Handle nicht im Widerspruch zu dem, was du versprochen hast. Gib dich nicht mit empörendem Verhalten ab. Sei nicht parteiisch.

4. Verwandle deine Absichten, aber bleibe normal.

5. Spreche nicht über die unzulänglichen und verdorbenen Seiten anderer.

6. Denke dir nichts bei den Fehlern anderer.

7. Beseitige bei dir zuerst die störende Emotion, die am größten ist.

8. Befreie dich von der Hoffnung auf Früchte.

9. Gebe vergiftete Nahrung auf.

10. Verlasse dich nicht auf deine störenden Gedanken als deine hervorragende Hauptstütze.

11. Lass dich nicht zu schlechtem Spiel verleiten.

12. Liege nicht im Hinterhalt.

13. Demütige niemanden aufgrund seines Schwachpunktes.

14. Belade einen Ochsen nicht mit der Last eines Dzo.

15. Mache keine Wettrennen.

16. Drehe das Amulett nicht um.

17. Veranlasse nicht, dass ein Gott sich in einen Dämon verwandelt.

18. Erstrebe nicht das Leiden anderer als Element deines Glücks.



Siebenter Punkt: Zweiundzwanzig Punkte für das Geistestraining, in denen es sich zu üben gilt

1. Übe alle Yogas mit einem Ziel oder Wunsch, besser dazu in der Lage zu sein, anderen zu helfen.

2. Erledige das Zurückweisen von allem Verdrehten mit der einen Praxis – dem Geben und Nehmen.

3. Führe am Anfang und am Ende die zwei Handlungen aus die Absicht, besser dazu in der Lage zu sein, anderen zu helfen und die Widmung positiver Kraft.

4. Welche der beiden auch immer erscheint, die Dinge gehen gut oder die Dinge entwickeln sich schlecht, handle geduldig.

5. Beschütze die zwei auf Kosten deines Lebens deine spirituellen Verpflichtung im Allgemeinen, und diese Praktiken und Punkte, in denen du dich übst, im Besonderen.

6. Übe dich in den drei schwierigen Dingen vergegenwärtige dir, was die Gegenmittel sind, sei achtsam bei ihrer Anwendung, und achte darauf, sie aufrechtzuerhalten.

7. Nimm die drei Hauptursachen um in der Lage zu sein, diese Punkte zu üben – den spirituellen Lehrern dieser Punkte zu begegnen, ihre Unterweisungen anzuwenden, günstige Umstände zu erlangen.

8. Meditiere über die drei nicht-abnehmenden Dinge vertrauen in und Wertschätzung für deine spirituellen Lehrer, die Bereitwilligkeit ihre Unterweisungen zu üben, Stabilität im Aufrechterhalten dieser Praktiken und Übungen.

9. Besitze die drei Untrennbaren dass dein Körper, deine Sprache und dein Geist, untrennbar davon sind, anderen zu helfen.

10. Handle rein, ohne Parteilichkeit gegenüber Objekten.

11. Pflege das Anwenden einer weiten und tiefen Schulung allem gegenüber.

12. Meditiere immer über die, die als Nahestehende ausgesondert wurden.

13. Sei nicht abhängig von anderen Bedingungen.

14. Übe vor allem jetzt.

15. Habe kein verkehrtes Verständnis.

16. Setze nicht zeitweilig aus.

17. Übe entschlossen.

18. Befreie dich selbst sowohl durch Untersuchung als auch genaue Prüfung.

19. Meditiere nicht mit einem Gefühl des Verlustes.

20. Lasse dich durch Überempfindlichkeit nicht einschränken.

21. Handle nicht nur über einen kurzen Zeitraum hinweg.

22. Wünsche dir nicht irgendeinen Dank.



Abschließende Verse

In gleicher Weise verwandle in einen Pfad zur Erleuchtung diese Zeit in der die fünf Formen des Verfalls weitverbreitet sind, der Lebensspanne, der störenden Emotionen, der Auffassung, der Wesen und der Zeiten weit verbreitet sind.

Diese Essenz des Nektars von Quintessenz-Lehren Stammt aus der Übertragungslinie von Serlingpa.

Aus dem Erwachen von den karmischen Überbleibseln, vorangehenden Übens, ist meine Bewunderung für diese Praxis im Überfluss vorhanden. Und infolge dieser Ursache, Leiden und Spott ignorierend, bat ich um die richtungsweisenden Anleitungen, um mein Greifen nach einem Selbst zu zähmen. Nun werde ich, selbst wenn ich sterbe, keinerlei Bedauern verspüren.

("Blo-sbyong don-bdun-ma" von Geshe Chekawa (dGe-bshes 'Chad-kha-ba) in der Version von Togmey-zangpo (Thogs-med bzang-po). Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin. Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger.)

 

 

Die zehn Zerstörerischen

 

Die zehn zerstörerischen Handlungen:



Es gibt drei destruktive körperliche Verhaltensweisen:

    Jemandem das Leben nehmen – angefangen von einem anderen Menschen bis hin zum kleinsten Insekt. Das Resultat ist, dass wir nichts tolerieren können, was wir unangenehm finden; unsere unmittelbare Reaktion auf alles, was uns nicht passt, ist zuzuschlagen und es zu zerstören; wir geraten häufig in Handgreiflichkeiten.

    Etwas nehmen, was einem nicht gegeben wird – stehlen, nicht zurückgeben, was wir uns geliehen haben, unerlaubt etwas benutzen, was jemand anderem gehört, und dergleichen mehr. Das Resultat ist, dass wir immer das Gefühl haben, wir seien arm, und uns als Opfer fühlen; niemand wird uns etwas leihen; unsere Beziehungen zu anderen werden hauptsächlich darauf beruhen, dass man sich gegenseitig ausnutzt.

    Unangemessenes sexuelles Verhalten – Vergewaltigung, Ehebruch, Inzest usw. Das Resultat ist, dass unsere sexuellen Beziehungen meist kurzlebig sind und wir und unsere wechselnden Partner uns gegenseitig bloß als Objekt betrachten; wir fühlen uns von Dingen angezogen, die im Grunde unsauber sind.



Es gibt vier destruktive verbale Verhaltensweisen:

    Lügen – wissentlich etwas sagen, das nicht wahr ist, andere irreführen usw. das Resultat davon ist, dass keiner glaubt, was wir sagen, oder dem nicht traut, und dass auch wir den Aussagen anderer nicht trauen; wir können nicht mehr unterscheiden, was Realität und was unsere eigene Erfindung ist.

    Zwietracht säende Rede – schlecht über andere reden, um zu bewirken, dass sie sich trennen oder ihre Feindschaft oder Entfremdung sich verschlimmert. Das Resultat ist, dass unsere Freundschaften nicht lange halten, weil unsere Freunde den Verdacht haben, dass wir auch hinter ihrem Rücken schlecht über sie reden; wir haben keine engen Freunde und fühlen uns deshalb isoliert und einsam.

    Gebrauch grober Worte – etwas sagen, das die Gefühle anderer verletzt. Das Resultat ist, dass Menschen uns nicht mögen und uns meiden; selbst wenn sie mit uns zusammen sind, können sie sich in unserer Gegenwart nicht entspannen und sagen ihrerseits gemeine Dinge zu uns; wir geraten noch mehr in Isolation und Einsamkeit.

    Sinnloses Geschwätz – unsere eigene und die Zeit anderer Menschen mit sinnlosem Geschwätz vergeuden; andere mit belanglosem Gerede unterbrechen, während sie etwas Positives tun. Das Resultat ist, dass uns niemand ernst nimmt; wir sind nicht imstande, mit unserer Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben, ohne alle paar Minuten auf das kleine Mobilgerät in unserer Hand zu blicken; wir bringen nichts Sinnvolles zu Ende.



Und es gibt vier destruktive Arten zu denken:

    Begehrliches Denken – aus Neid zwanghaft überlegen und planen, wie man etwas kriegen kann oder in den Besitz einer Eigenschaft kommen kann, die jemand anderes besitzt, oder andere zu übertrumpfen. Das Resultat ist, dass wir weder inneren Frieden noch Freude finden, weil wir immer von negativen Gedanken in Bezug auf das geplagt sind, was andere erreicht oder erlangt haben.

    Böswilliges Denken – überlegen und planen, wie man jemanden verletzen kann oder es jemandem heimzahlen kann, was er gesagt oder getan hat. Das Resultat ist, dass wir uns nie sicher fühlen oder entspannen können; wir leben ständig in Angst und befürchten, dass andere Ränke gegen uns schmieden.

    Verdrehtes, antagonistisches Denken – dazu gehört nicht nur, hartnäckig etwas denken, das im Gegensatz zu dem steht, was wahr und richtig ist, sondern auch im Geist Streitgespräche mit Menschen führen, die anderer Meinung sind als wir und sie auf aggressive Weise herabsetzen. Das Resultat ist, dass wir noch engstirniger werden, völlig unempfänglich gegenüber hilfreichen Vorschlägen und Rat; auch unser Herz verschließt sich anderen, weil wir nur an uns denken und meinen, wir wären immer im Recht; wir bleiben ignorant und dumm.

 

 

Ich glaube

 

Bekräftige deinen Glauben an dich selbst:
Ich glaube, daß ich in Gottes Augen sehr wichtig bin.
Ich glaube, daß ich zurückfinden kann, so weit ich auch in die Irre gegangen sein mag.
Ich glaube, daß ich in mir die Kraft habe, mich zu ändern.
Ich glaube, daß ich Gott wahrhaft ergeben und nahe sein kann.


(Rabbi Nachman von Bratislava)